
von links: Dieter Nagel, Ortsvorsitzender Martin Kreutz
Vision unseres Neumitglieds Dieter Nagel über die Zukunft der SPD.
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Vision unseres Neumitglieds Dieter Nagel über die Zukunft der SPD.
Von den Altvordern wird immer neu der Geist der SPD in ihren Anfängen beschworen, als sie die kämpferischen Signale für eine soziale den Arbeitnehmern zugewandte Partei setzte. Es war die Zeit der Namen wie Ollenhauer und Schumacher.
Die Zeiten haben sich seitdem ständig und unter den Gesetzen der Globalisierung sogar radikal geändert; sie fordern eine SPD mit neuem Zuschnitt.
Der soziale Kern muss zwar das beherrschende Element der Partei bleiben, aber die Arbeitnehmer als zentrale Zielgruppe zu benennen wird den modernen Gegebenheiten nicht mehr gerecht. Die SPD muss viel deutlicher die ganze Gesellschaft auch mit ihren kapitalschaffenden Schichten umwerben.
Ein deutliches Merkmal für die Einengung der SPD auf alte Ideale ist die relativ geringe Anzahl von Unternehmern und Gewerbetreibenden in der SPD. Dies zeigt, dass die für das Volkswohl entscheidend wichtigen kapitalwirtschaftlichen Aspekte vernachlässigt werden, wenn nicht sogar immer noch als suspekt gelten. Hierin liegt m.E. ein großer Mangel und ein signifikantes Hindernis für den Erfolg der SPD.
In den 50-iger Jahren wurde der Begriff der Sozialen Marktwirtschaft geprägt, die jedem Bürger die Möglichkeiten gab, persönliche Initiative zu ergreifen, seine unternehmerische Motorik zu entdecken und zu entwickeln. Dieses Rezept schuf das deutsche Wirtschaftswunder, dessen Urkräfte auch in Krisenzeiten, wie wir sie besonders in unserem Land z.Zt. erleben, noch erfolgreich und sichtbar wirksam sind. Die Wirtschaft und das mit ihr untrennbar verbundene Kapital ist die tragende Säule unseres Wohlstandes, die in die Programme einer Partei eingebunden werden müssen. Die Allmacht des Kapitals , die wir heutzutage als verheerend erleben, muss zwar durch Regulierung gebrochen werden nicht aber die Wirkung des Geldes, die schon Goethe als eine den Menschen von Natur aus beherrschende und treibende Kraft in seinem Faust beschrieb: Zum Golde drängt, am Golde hängt doch alles !—Dies ist keine romantische Floskel, sondern ein Axiom – ein Weltgesetz, dem sich die SPD voll stellen muss. Peer Steinbrück hat erkannt, dass Sozialismus und Wirtschaft in einen engen Verbund geführt werden müssen, soll die SPD wieder die herausragende Volkspartei werden. In der Vision „Sozialismus und Wirtschaft“ liegt ein Schlüssel, alle Bereiche des Volkes zusammenzuführen, dabei die kapitalistischen Auswucherungen zu bändigen und sie in gezügelter Weise in den Dienst eines sozialen Miteinanders zu stellen. Ich habe lange über eine mir eingängige Definition nachgedacht, was eigentlich unter „links“ und „rechts“ zu verstehen ist. Meine Lebenserfahrung, meine Begegnung mit vielen Menschen und mein Studium der politischen Spektren hat mir diese Frage in einfacher Form beantwortet: Rechts ist das in der Ich-Form-Denken, und Links ist das Denken in der Wir-Form. Die Profiteure, die nur dem eigenen Wohl, ihrem eigenen Unternehmen verpflichteten Egozentriker denken ausschließlich in der Ich-Form und neigen dem Programm der FDP zu. Sie tragen zwar auch zum Sozialprodukt bei, doch nur unter dem Druck von Steuergesetzen und zwingenden Abgabeverordungen, denen sie sich gerne entziehen. Der gänzlichen Befreiung von staatlicher Reglementierung gilt ihr Bemühen. Dieses Denken hat über die Jahrzehnte zu den aktuellen Katastrophen geführt, zur Klimakatastrophe wie zur Finanz-und Schuldenkrise. Einzig und allein das Ich-und Wohlstandsdenken hat zu den apokalyptischen Bedrohungen der Menschheit geführt. Eine Rettung daraus kann nur aus einem radikalen Umdenken in die Wir-Form kommen, und das ist der zu bestellende Acker der SPD. Ein dringender Wertewandel muss sich in den Gesellschaften vollziehen. Das Ziel der SPD ist dann erreicht, wenn es gelungen ist, die egoistischen Ich-Denker auf diesen frischgepflügten Acker der SPD zu ziehen.
Aufstrebende innovative Wirtschaft ? Natürlich ja, aber nur im Sinne einer die Natur würdigenden und der Weltgemeinschaft dienenden Weise. Ein tief erfülltes Leben gibt es nicht, ohne das eigene Tun in den Dienst anderer zu stellen. So verstehe ich auch meine Zugehörigkeit in der SPD. Trotzdem dulde ich durchaus Profitinteressen als Motor zur Bildung von Privateigentum, weil es ohne diesen Motor nur zum sozialen Handeln in ideeller, jedoch nicht zum Handeln in realer Weise ausreicht. Solidarisch sein, heißt also auch handfest wirtschaftlich helfen können. In einer modernen zukunftweisenden SPD darf es deshalb keinen Zweifel an der Unerlässlichkeit geben, sich im Chaos der globalen Finanzwelt mit hoher Kompetenz zurechtzufinden.
Diese Wirtschaftskompetenz mit dem Wir-Denken zu einer Einheit zu verschmelzen, wird die große Aufgabe sozialdemokratischer Politik sein.