
(Quelle: regio-aktuell24.de) Eine Ausstellung mit eindrucksvollen Bildern, Plakaten und Berichten im Salzstadel dokumentiert 60 Jahre Frauenpolitik in Deutschland. Organisatorin Irene Ilgmeier vom Landesvorstand der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) meinte bei der Vernissage am Mittwochabend: "Es ist eine Geschichte vom langen Weg zur Gleichberechtigung".
Foto: (regio-aktuell24.de):Herta Neumeier und Irene Ilgmeier holten die ursprünglich in München kreierte Ausstellung "60 Jahre Frauenpolitik in Deutschland" nach Straubing. SPD-UB-Vorsitzender Peter Stranninger und Alt-OB Reinhold Perlak räumten ein, dass eine "wirkliche Gleichberechtigung" immer noch nicht erreicht sei.
Die Präsentation, die Ilgmeier gemeinsam mit der Vorsitzenden von SPD 60plus Herta Neumeier aus München in die Gäubodenstadt geholt haben, ist nach den Worten Ilgmeiers eine Dokumentation über die familiäre, gesellschaftliche, berufliche und politische Entwicklung der Frauen im Verlauf der letzten sechs Jahrzehnte. Sie erinnerte daran, dass das Frauenwahlrecht erst 1919 erstritten worden sei und es bis 1949 dauerte, ehe die Gleichberechtigung ins Grundgesetz geschrieben worden sei.
"In der Bayerischen Verfassung wurde dieses Wahlrecht erst 1946 durch den damaligen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Dr. Wilhelm Hoegner niedergeschrieben," ergänzte der Schirmherr der Ausstellung, Alt-OB Reinhold Perlak. Obwohl sich die Situation der Frauen in den vergangenen 60 Jahren deutlich verbessert hätten, würden seiner Ansicht nach immer noch Defizite bestehen. "Gleiche Löhne für gleiche Arbeit ist heute immer noch nicht hergestellt", kritisierte Perlak. Das Frauen zumindest in leitende Positionen kommen können sei mehr als gerecht. Und dennoch gestand er ein: "Um eine wirkliche Gleichberechtigung zu erreichen, müssen wir noch viel tun!"
Für den SPD-Unterbezirksvorsitzenden Peter Stranninger gilt Frauenpolitik nicht nur für Frauen. Vielmehr sei damit die gesamte Familie betroffen. "Frauenpolitik bedeutet zugleich der Grundstein für eine soziale Gerechtigkeit", philosophierte er. Deutlicher präsentierte sich eine Zeitreise, zu der Irene Ilgmeier und Herta Neumeier die Besucher der Ausstellungseröffnung einluden. Zu jedem Jahrzehnt weckten sie Erinnerungen. Die 50er Jahre hätten ganz im Zeichen "Frauen zurück an den Herd" gestanden. Nach dem Krieg mussten viele Frauen ihre Arbeitsplätze in der Industrie den aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Männer überlassen. Sie hatten damals im Durchschnitt 35 Prozent weniger Lohn für gleichwertige Arbeit.
Die 60er Jahre kennzeichneten drei Ereignisse: Die Einführung der Anti-Baby-Pille, der Vietnam-Krieg und die Studentenunruhen 1968. Ein Jahrzehnt später entstand die Frauenbewegung. "Eine Initialzündung war die Diskussion um den Paragraphen 218", erinnerte Ilgmeier. Die lautstark sich Gehör verschaffende Frauenbewegung wurde in den 80er Jahren wohl etwas leiser, dennoch engagierten sich Frauen in der Friedensbewegung und protestierten gegen Atomkraft und Gentechnik.
Nach drei Jahrzehnten Lernerfahrung in Sachen Frauenförderung war klar, dass Förderung allein nicht ausreichte. "Der Ansatz musste Geschlechtergerechtigkeit heißen" erklärte Ilgmeier die frauenspezifischen Bedürfnisse in politische und wirtschaftliche Entwicklungsprozesse mit einbezogen und in Organisationen und Verwaltungen umgesetzt zu werden. Seit 2000 steht die Lohndiskriminierung im Mittelpunkt. Zulange nach Ansicht der Organisatorin Frauenarbeit immer noch als Zuverdienst angesehen werde, gelte es die Gleichstellung von Frau und Mann durchzusetzen.